Neue EU-Batterie-Verordnung: VDMA hat Sustainable Batteries Workshop durchgeführt

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Die Umsetzung des European Green Deals, mit dem vorrangige Ziel der Transformation der Wirtschaft in eine klimaneutrale und zirkuläre Zukunft erreicht werden soll, nimmt zunehmend Gestalt an.

Der neue Legislativvorschlag der Europäischen Kommission zu "nachhaltigen Batterien" zeigt weitreichende Ambitionen. Das vorgeschlagene Gesetz deckt alle Batterietypen in seinem Anwendungsbereich ab, von Batterien für Elektrofahrzeuge für den Straßenverkehr bis hin zu Gerätebatterien. Dabei sind insbesondere auch jegliche Arten von Industriebatterien erfasst, die bzgl. neuer Anforderungen den Batterien für Elektrofahrzeuge gleichgestellt werden. Der Vorschlag enthält Anforderungen in Bezug auf soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte, die für den gesamten Lebenszyklus der Batterie gelten. Der VDMA hat dazu bereits informiert.

Im Hinblick auf eine resultierende direkte sowie indirekte Betroffenheit innerhalb der Branche des Maschinen- und Anlagenbaus veranstaltete der VDMA am 24. Februar 2021 den ersten „Sustainable Batteries Workshop: Was sind zukünftige Anforderungen an den Maschinenbau aus dem neuen EU-Gesetzesvorschlag zu nachhaltigen Batterien?“

Zu Beginn des Workshops wurden die Grundzüge des Gesetzesentwurf sowie dessen zeitliche Perspektive den rund 25 Teilnehmern vorgestellt. Sowohl zeitlich als auch inhaltlich gilt der Entwurf als extrem ambitioniert, zudem gilt der Gesetzesvorschlag als Blaupause für zukünftige Produktregulierung auf europäischer Ebene. Damit nimmt das Thema gleich eine Doppelrelevanz für den VDMA und seine Mitgliedsunternehmen ein.

Nach diesem ersten Überblick zum Gesetzesvorschlag „nachhaltige Batterien“ erfolgte ein Deep-Dive in die technischen und administrativen Vorgaben des Gesetzesvorschlags.

Die Nachhaltigkeit der Batterien versucht die EU-Kommission dabei über vier zentralen Anforderungsbereichen an die Herstellung von Batterien sicher zu stellen:

  • Verbot gefährlicher Stoffe
  • Deklaration, Klassifizierung und letztlich Grenzwerte des CO2-Fußabdruck
  • Deklaration und Mindestanforderungen an die Verwendung von Recyclingmaterial in der Batterieherstellung
  • Mindestanforderungen an Leistungs- und Haltbarkeitskriterien sowie konkreten Sicherheitsparametern.

Um 2nd-life Applikationen mit kalkulierbaren Restlebensdauern der Batterien zu ermöglichen bzw. zu vereinfachen, sieht der Vorschlag einen freien Zugang zu einem definierten Datensatz aus dem Batterie-Management-System vor.

Viele Hersteller sehen sich zudem mit der Herausforderung des End-of-Life-Managements konfrontiert. Dabei soll eine erweiterte Herstellerverantwortung garantiert, Sammelziele und -verpflichtungen eigehalten werden und es gibt Zielvorgaben für die Recyclingeffizienz und den Anteil an wiederverwerteten Materialien innerhalb der Batterien.

Zudem ergeben sich ausführliche Due Diligence Anforderungen, aus denen ein deutlicher Mehraufwand für alle Akteure in der Lieferkette resultiert. Hier sollte auf eine passende Eingliederung in horizontale Rechtsakte geachtet werden.  

Dank reger Beteiligung konnten die Anforderungen im Detail analysiert und auf ihre Auswirkung für die Anwender bzw. Maschinenbauer diskutiert werden. Viele technische Fragestellungen wurden dabei aufgeworfen und skizierten bereits die Felder, in denen der Gesetzesentwurf korrigiert oder präzisiert werden sollte. Die gesammelten Punkte werden im anstehenden Lobbyprozess berücksichtigt werden.

Im letzten Teil des Workshops befassten sich die Teilnehmer mit den „Pains & Gains“ die sich für den Maschinen- und Anlagebau aus der Novellierung ergeben und leiteten nächste Schritte im Prozess und Einbringung des VDMA ab.

Dabei wurde deutlich, dass der Teilnehmerkreis das grundsätzliche Ziel hin zu sicheren, zirkulären und nachhaltigen Batterien für Europa befürwortet. Als Vorteil wurden unter anderem resultierende Qualitäts- und Effizienzvorteile oder eine potenzielle, verbesserter Planbarkeit, Bewertbarkeit und Sicherheit aufgeführt, die letztlich durch die erhöhten Anforderungen zu einer verstärkten Produktion in Europa führen könnten.

Im Rahmen der Diskussion wurde allerdings deutlich, dass sich viele Teilnehmer vermehrt mit den Nachteilen und ambitionierten Anforderungen des neuen Legislativvorschlags auseinandersetzten. Dabei sahen sie sich insbesondere mit den Herausforderungen durch umfassende Regulierungen und Vorgaben sowie hohen Dokumentationspflichten, der Beschaffung der zusätzlichen Informationen entlang der Lieferkette, einer möglichen Kostensteigerung durch Drittzertifizierungen, mangelnder Schutz von Geschäftsgeheimnissen sowie möglichen resultierenden Wettbewerbsnachteilen konfrontiert.

Das Europäische Parlament und der Rat werden im weiteren Verlauf eigene Positionierung im Rahmen des neuen Gesetzesvorschlag entwickeln. Der VDMA wird sich mit seiner Expertise, die nicht zuletzt auf den Ergebnissen des Workshops basiert, in diesen Prozess einbringen und über einen weiteren Workshop die Betroffenheit seiner Mitglieder weiter herausarbeiten und erste mögliche Forderungen erarbeiten.

Ein weiterer Workshop, der sich auf die vorgesehenen Berichtspflichten konzentrieren soll, wird in Kürze angeboten.

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