Rückblick Wasserstoffdialog

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„Ist Wasserstoff der Energieträge der Zukunft?“ Die Frage stellte die FDP-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen in ihrer digitalen Veranstaltungsreihe „Schlaglichter“ am 26. Januar 2021.

Moderiert wurde der Dialog „Wasserstoff – Energieträger der Zukunft? – Wie schaffen wir die Transformation zum klimaneutralen Industriestandort?“ von Dietmar Brockes, Sprecher für Industrie- und Energiepolitik der FDP-Landtagsfraktion NRW. Zusammen mit Dr. Anna Grevé, Abteilungsleiterin elektrochemische Energiespeicher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, stellte sich Hans-Jürgen Alt, Geschäftsführer VDMA NRW und Manager des Kompetenznetzes ProduktionNRW, am 26. Januar 2021 den Fragen von mehr als 100 Teilnehmern aus Industrie, Politik und Wissenschaft.

VDMA unterstützt seine Mitglieder beim Markthochlauf einer Wasserstoffwirtschaft

„In Nordrhein-Westfalen sitzen eine ganze Reihe von Wasserstoffpionieren aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Diese sind schon jetzt Key Player in wichtigen Wasserstoff Pilotprojekten, die sich weltweit etablieren!“, sagt Alt.

Als Enabler der Wasserstoffwirtschaft ist der Maschinen- und Anlagenbau eine sehr wichtige Branche. Der VDMA ist darum in die European Clean Hydrogen Alliance aufgenommen worden. Dieses von der EU-Kommission ins Leben gerufene europäische Wasserstoff-Bündnis soll künftig eine zentrale Rolle beim Markthochlauf und dem großflächigen Einsatz von klimaneutralem Wasserstoff in Europa spielen. Der Verband unterstützt seine Mitglieder und auch weitere interessierte Unternehmen über die VDMA-Arbeitsgemeinschaften „Brennstoffzellen“ und „Power-to-X-for-Applications“, um das Thema im Dialog voranzutreiben.

„Für einen Markthochlauf müssen wir die industriellen Rahmenbedingungen in Deutschland schnell verbessern. Dazu zählen in erster Linie Infrastruktur und passende Richtlinien im Energiebereich. Drittens müssen wir partnerschaftlich und gemeinsam mit anderen EU-Ländern an einem Strang ziehen.“

Wasserstoffwirtschaft: Wo liegen die Chancen und wo hapert es noch?

Deutschland hinkt beim Ausbau erneuerbarer Energien – wie der Windkraft – hinterher, weshalb Dr. Anna Grevé des Fraunhofer Instituts Umsicht sagt, dass der Wasserstoff zunächst nicht nur grün sein kann: „Zu Beginn werden wir damit leben müssen, dass der Wasserstoff auch andere Farben haben wird. Darauf zu warten, dass er grün wird, ist aber auch keine Lösung. Es wird eine Transformationsphase geben müssen für einen Markthochlauf.“

Sowohl Alt als auch Grevé waren sich in vielen Punkten einig, dass man über die Wasserstoffpilotprojekte jetzt genau prüfen muss, in welchen Bereichen Wasserstoff, E-Fuels oder Brennstoffzellen eingesetzt werden sollten. Hierbei sei es wichtig, technologieoffen zu bleiben: „Beispielsweise könnte die Brennstoffzelle einen großen Hebel in der Schwerlastmobilität bekommen. In diesem Bereich hat Wasserstoff Vorteile gegenüber anderen Technologien“, sagt Grevé. Klar sei auch, dass Wasserstoff nicht die einzige Schlüsseltechnologie der Zukunft sein kann: „Wasserstoff ist lediglich ein Baustein einer nachhaltigen Wirtschaft. Wasser ist keine endlose Ressource. Wir müssen schauen, wo Wasserstoff effizient und wirtschaftlich sinnvoll ist.“

„Die Politik muss jetzt die Rahmenbedingungen schaffen!“

Trotz des aktuellen Hypes um Wasserstoff ist klar, dass der Aufbau einer Wasserstoffindustrie viele Jahre dauern wird. Genau an diesem Punkt sieht Alt dringenden Anpassungsbedarf: „Bei den Steuern und Abgaben müssen wir für Wasserstoff Ausnahmen schaffen. Wir brauchen aber auch zusätzliche Stromleitungen, wenn wir erneuerbare Energie zu den Wasserstoff-Elektrolyseuren bringen wollen. Wir brauchen Gasleitungen, die für den Wasserstofftransport entweder komplett neu gebaut oder angepasst werden müssen. Alle diese Bauprojekte haben in Deutschland Bauphasen und Genehmigungsverfahren von 20 Jahren und länger. Die Zeit können wir uns nicht lassen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen! Wenn wir das nicht schaffen, werden die Unternehmen den Wasserstoff in anderen Ländern produzieren und nutzen!“

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