Auswirkungen der Krise auf die Akkreditierung und Zertifizierung

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In der aktuellen Situation werden Vorortbegutachtungen abgesagt oder wo möglich durch Remoteaudits ersetzt. So führt die DAkkS derzeit keine Vorortbegutachtungen mehr durch und die Konformitätsbewertungsstellen prüfen derzeit, wie sie den Zertifizierungsbetrieb aufrechterhalten können.

Auswirkungen auf die Akkreditierung von Unternehmen und Laboren

Für die DAkkS hat weiterhin die Aufrechterhaltung ihrer hoheitlichen Aufgabe sowie der Schutz von Mitarbeitern, Begutachtern und Kunden gleichermaßen oberste Priorität. Daher ersetzt sie alle in Deutschland geplanten Begutachtungen innerhalb Deutschlands durch alternative Begutachtungsverfahren oder verschiebt diese wo dies möglich ist (Auswirkungen der Corona Krise auf die Akkreditierung). Grundlage hierfür sind die IAF-Vorschriften für Remoteaudits nach den IAF MD 4 und die Sonderregelungen nach dem IAF ID 3:2011. Sollte keine Begutachtung durchgeführt werden können, aus welchem Grund auch immer, so kann der Begutachtungstermin bis zu 90 Tage verschoben werden.

Auswirkungen auf die Zertifizierung von Managementsystemen

Die DAkkS empfiehlt den Konformitätsbewertungsstellen (KBS) eine Risikobewertung in Bezug auf ihre eigene Situation und auf die ihrer Kunden, die von der Pandemie betroffen sind, durchzuführen und die Möglichkeit von Remoteaudits zu prüfen. Derzeit ist das Bild bei den KBS‘sen unterschiedlich. Je nach Risikoeinschätzung werden derzeit von Einigen noch Voraudits angeboten. Andere bieten nur noch Remoteaudits an. Wenn Sie in der Situation sind, dass ein Überwachungsaudit oder Rezertifizierungsaudit ansteht, dann setzen sie sich direkt mit ihrem Zertifizierer in Verbindung und prüfen die Möglichkeit eines Remoteaudits oder eine Verschiebung des Termins. Problematisch wird es, wenn Konformitätsbewertungen nicht ohne Inaugenscheinnahme von Objekten/Prozessen durchgeführt werden können. Dies kann durch gesetzliche Vorschriften oder die Programmeigner gefordert sein und führt schlussendlich in Konsequenz dazu, dass keine Konformitätsbewertung vorgenommen werden kann.

Stellungnahme des International Accreditation Forums (IAF) zu Begutachtungen von Programmen nach ISO/IEC 17021-1:2015: (Managementsystemzertifizierung)

Wenn es nicht möglich ist, Audits durchzuführen (physisch oder gemäß IAF MD4: 2018) und wenn die von IAF ID3:2011 empfohlenen Bedingungen erfüllt sind, können alle Zertifizierungsaktivitäten (z.B. Überwachungen, Rezertifizierungen) um bis zu 6 Monate verschoben werden. Die Gültigkeit der Zertifikate kann um einen entsprechenden Zeitraum von bis zu 6 Monaten verlängert werden.

Stellungnahmen spezieller Programmeigner: (Stand 23.03.2020)

Automobilindustrie: Die Durchführung von Remoteaudits ist für die IATF 16949: derzeit nicht möglich. Sowohl die IATF (CB COMMUNIQUE # 2020-001 REVISION 01) als auch das VDA-QMC (2020-03-17_VDA6x-Guidance_Coronavirus) haben die Möglichkeiten geschaffen, die Termine für die Zertifizierungs-, Überwachungs- und Transferaudits unbürokratisch in Absprache mit den Konformitätsbewertungsstellen um zusätzliche 60 Tage zu verschieben.

Luftfahrtindustrie: Remoteaudits können durchgeführt werden. Aus den entsprechenden Aufzeichnungen muss klar hervorgehen, dass es sich um ein Remoteaudit handelt. Alle vom Kunden vorgelegten Dokumente sind in den PEAR´s und der QMS Matrix zu referenzieren. Für Bereiche, die nur eingeschränkt auditiert werden können, wie Produktion und Prüflabore muss beim nächsten Audit die Auditzeit entsprechend erhöht werden.

Medizintechnik: Grundsätzlich sind Remoteaudits möglich. In Zusammenarbeit mit der Konformitätsbewertungsstelle muss im Einzelfall geprüft werden, ob dies vor dem Hintergrund der Produkte, des Standorts und der Risikoeinschätzung realisierbar ist.