Nachhaltigkeits- und produktbezogene Umweltanforderungen EU und Non-EU

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Was ist für den exportorientierten Maschinen- und Anlagenbau in puncto Nachhaltigkeit machbar und wie können zum einen die sozial-ökologischen Anforderungen seiner Kunden erfüllt und zum anderen menschenrechtliche Sorgfalt in Lieferketten umgesetzt werden?

Am 3. Mai 2019 war der deutsche Erdüberlastungstag: Wäre der Ressourcenverbrauch der Weltbevölkerung so groß wie in Deutschland, dann hätte sie schon bis zu diesem Zeitpunkt die regenerierbaren Ressourcen verbraucht, die ihr für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen. Um einen solchen Verbrauch nachhaltig zu decken, bräuchten wir drei Erden – so der Bericht der Umweltschutzorganisation German Watch.

„Der Klimawandel, der Verbrauch der Ressourcen, die Vermüllung der Weltmeere oder eine weiterwachsenden Weltbevölkerung stellen uns vor globale Herausforderungen. Weltweit werden darum auch immer mehr produkt- und unternehmensbezogene Umweltanforderungen formuliert. Es entstehen unzählige Branchenstandards und Auditverfahren und länderspezifische Regulierungen sprießen wie Pilze aus dem Boden“, sagt Judith Herzog-Kuballa, Referentin der VDMA Abteilung Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit, in ihrem Vortrag und erklärt, dass dies den global ausgerichteten Maschinen- und Anlagenbau besonders trifft.

Dies bedeutet, dass sich Firmen rechtzeitig mit den entsprechenden rechtlichen Vorgaben im Zielland auseinandersetzen und sich für zunehmende sozialökologische Kundenanforderungen wappnen müssen. Der VDMA NRW lud am 24. Mai 2019 in Kooperation mit ProduktionNRW zum Erfahrungsaustausch ein, um offene Fragen anzusprechen und Lösungen vorzustellen.

Überblick, Hilfestellung und Datenbanken

In Zeiten, in denen die Politik ein erhöhtes Interesse daran hat, die Umweltauswirkungen von Produkten jeglicher Art zu regulieren, müssen Hersteller sich besonders gut darüber informieren, welche Anforderungen für ihre Produkte gelten. Hinzu kommt, dass diese sich von Land zu Land stark unterscheiden können, so dass die Herstellung eines „Weltproduktes“ unmöglich erscheint.

Da die Marktüberwachung und Durchsetzung nationaler Standards nicht überall gleich stark ausgeprägt sind, könnte der ein oder andere meinen, die nationalen Anforderungen ignorieren zu können. Eine Missachtung der Vorschriften kann aber – ebenfalls je nach Land – gravierende Folgen haben: Strafzahlungen, Vermarktungsverbote und ein geschädigtes Image sind möglich. Deutsche Lieferanten müssen sich also – idealerweise in Kooperation mit ihrem Kunden vor Ort – mit den Anforderungen des Ziellandes auseinandersetzen und die Anforderungen berücksichtigen. So berichtete VDMA Referentin Irina Messerschmidt über diverse Fallstricke und Neuerungen im chinesischen RoHS im Vergleich zur EU-RoHS Richtlinie und gab einen Überblick über andere Vorschriften in der Welt – wie die California Proposition 65.

Marktzugang Non-EU Staaten

Die VDMA Querschnittsabteilungen „Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit“, „Recht“ und „Außenwirtschaft“ unterstützen VDMA-Mitglieder, beim Umsetzen regulatorischer Maßnahmen – in der EU und weltweit. So enthält zum Beispiel die VDMA-Datenbank zu technischen Regularien (DaTeR) Beschreibungen internationaler Sicherheits- und Umweltanforderungen an Produkte des Maschinen- und Anlagenbaus. VDMA-Mitglieder finden hier unter anderem einen Überblick zu RoHS-Regularien weltweit, ein FAQ zur California Proposition 65, sowie wichtige Factsheets zur technischen Dokumentation für China und die Eurasische Wirtschaftsunion.

Neuer Nationaler Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte

Für viele noch neu ist der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP), der einen Fokus auf menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in der Lieferkette setzt. Mit dem NAP fordert die Bundesregierung Unternehmen freiwillig dazu auf, ihrer menschenrechtlichen Achtungspflicht bis 2020 nachzukommen. Sollten weniger als 50 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiter die im Aktionsplan genannten Anforderungen erfüllen, will die Bunderegierung gesetzlich tätig werden.

Lösungsansätze für mehr Nachhaltigkeit: Angebote des VDMA nutzen

Zu der Frage, welche Maßnahmen man denn als Unternehmen konkret ergreifen könne, stellte Judith Herzog-Kuballa Ansätze vor, wie Unternehmen ihre Nachhaltigkeits-Performance verbessern können. Dazu gehören die Teilnahme an einem der VDMA Energieeffizienz-Netzwerke in Nordrhein-Westfalen, der Initiative „Blue Competence“ oder auch das Verfassen einer Unternehmens Policy mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit. Mittel- bis langfristig sollte eine Nachhaltigkeitsstrategie, die messbare Ziele und konkrete Maßnahmen enthält, aufgebaut werden.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde vom VDMA NRW in Kooperation mit ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

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